Reflexionen über eine offene Werkstatt an den Außengrenzen Europas

Habibi.Works

Habibi.Works ist eine offene Werkstatt an den Außengrenzen Europas. Mit Ateliers für Holz-, Metallbearbeitung, für digitale Fabrikation, Nähen und Kreatives, mit Bibliothek, Küche und Sportbereich unterstützt die offene Werkstatt in Katsikas bei Ioannina in Griechenland Menschen, die nach ihrer Flucht an Europas Außengrenzen ankommen. Die Werkstatt ist zugleich offener Raum für Konzepte, die physische und normative Grenzen sprengen als auch kollektives Handeln und gesellschaftspolitisches Postulat.

Mimi Hapig, Franziska Wirtensohn und Michael Wittmann für Habibi.Works.

Begonnen Ende des Jahres 2015 als zivilgesellschaftliches Engagement zur Unterstützung von Menschen, die nach ihrer Flucht an Europas Außengrenzen ankommen, wurde die offene Werkstatt Habibi.Works[1] im Jahr 2016 bald zu einem Raum, zu einem „in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichneten“, konkreten Ort. Sie versteht sich als „Gegenplatzierung oder Widerlager, [versuchte] tatsächlich realisierte Utopie“ – um dem momentanen Umgang Europas mit Menschen nach ihrer Flucht und der zunehmenden Entmenschlichung und Militarisierung von Grenzen etwas entgegenzusetzen und um Begriffsbildungen wie „Flüchtlingskrise“ zu dekonstruieren.


Dieser Beitrag stellt Motive, Intentionen und Arbeitsweisen des Werkstattprojekts Habibi.Works vor und beleuchtet anhand zentraler Fragestellungen, inwiefern eine kritische Praxis gelingen kann, die Machtdynamiken und Ungleichheiten reflektiert.


Entstanden aus einem zivilgesellschaftlichen Kontext, verbindet das Werkstattprojekt unterschiedlichste Disziplinen sowie verschiedenste Perspektiven und Ansätze. Die offene Werkstatt verortet sich als gestalterische Praxis. Sie ist eine sich solidarisierende Initiative, die (informelle) Bildung, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe zugänglich machen will. Daraus können sich einerseits Konflikte und problematische Projektionen ergeben, wie gegenteilige Auswirkungen vom Intendierten, ungewollte Stigmatisierungen oder eigentlich gut gemeinte, aber dennoch bevormundende Projekte. Andererseits erwies sich ebenjene Mulitperspektivität – also die Öffnung für Einflüsse aus unterschiedlichstes Disziplinen und gesellschaftlichen Bereichen sowie für eine Vielzahl an Ideen interessierter Menschen – als zentrales und konstruktives Motiv über Jahre des bisherigen Bestehens.

Dieses Verständnis soll weder eine zu vereinfachende Gleichsetzung von Kunst und Politischem bedeuten, noch eine (scheinbar heilsbringende) Sonderrolle von Kunst betonen. Vielmehr sucht es nach Formen des Ineinanderwirkens. Dieser Beitrag diskutiert, inwiefern kritische und nicht ausschließlich affirmative Formen und Strategien einer sich solidarisierenden Gestaltung möglich sind. Kritisch meint in diesem Sinne, dass bestehende Ungleichheiten benannt werden, gleichsam die eigenen Intentionen und auch nicht intendierte, widersprüchliche Auswirkungen hinterfragt sowie Hierarchien und die eigene Situiertheit reflektiert werden.


Intentionen – drei wesentliche Perspektiven

Habibi.Works wurde von dem kurz zuvor gegründeten gemeinnützigen Verein Soup and Socks e. V. ins Leben gerufen, mit der Überzeugung, dass nationale Grenzen keine Grenzen für die Suche der Menschen nach Freiheit und Sicherheit oder für ihr Recht auf selbstbestimmte und würdige Lebensbedingungen sein dürfen. In diesem Sinne sind die wichtigsten Prinzipien von Habibi.Works: Menschen, die nach Europa kommen, können unsere Gesellschaften bereichern, wenn soziale, wirtschaftliche und politische Strukturen zugänglich sind und dies ermöglichen. Solange diese Strukturen nicht zur Verfügung stehen, versucht das Werkstattprojekt eine Rahmen zu setzten, in dem zumindest im Wirkungsbereich dieses Ortes die Menschen selbst Ideen, Perspektiven und Lösungsansätze generieren, anstatt bevormundet und ihrer Handlungsfähigkeit beraubt zu werden.

Habibi.Works vereint folgende drei Perspektiven: Erstens durch alltägliche Unterstützung vor Ort ein Mindestmaß an Selbstbestimmung zu ermöglichen; zweitens einen Raum zur Verfügung zu stellen, der Ort für Austausch und Begegnung ist; drittens durch kritische Berichterstattung Bewusstsein über die desolate und ausweglose Situation für Menschen nach ihrer Flucht an Europas Außengrenzen zu generieren.




Abb. 1: Eindrücke aus der offenen Werkstatt Habibi.Works. Foto oben links Florian Horsch; Foto oben mittig Margot Buff; Foto oben rechts und unten rechts Mimi Hapig; Foto unten links (Zeitraffer) Franziska Wirtenson und Michael Wittmann.


Konkret findet die alltägliche Unterstützung vor Ort in Katsikas, bei Ioannina im Nordwesten Griechenlands in Form einer offenen Werkstatt statt: Mit Ateliers für Holz-, Metallbearbeitung, für digitale Fabrikation, Nähen und Kreatives, mit Bibliothek, Küche und Sportbereich ist Habibi.Works offen für Menschen nach ihrer Flucht, genauso wie für die lokale griechische Bevölkerung und Interessierte oder Expert*innen aus der ganzen Welt. Die alltägliche Arbeit vor Ort ist getragen von dem Gedanken, dass jede Person die*der Expert*in ihres eigenen Lebens ist. Menschen wissen selbst am besten, woran es ihnen fehlt und wie adäquate Problemlösungen aussehen können. Was ihnen die Umsetzungen ihrer Ideen erschwert, ist der fehlende Zugang zu Räumen, Materialien, Ausrüstung und Unterstützung. Hier setzt Habibi.Works an. Die elf verschiedenen Werkstättenbereiche zielen darauf ab, dass Menschen wieder Gestaltungsfreiheit und Selbstbestimmung in ihrem Alltag generieren können. Insofern wollen sie gelebtes Beispiel vor Ort sein und vermeintliche Grenzen im Alltäglichen und in vielen kleinen Situationen überwinden.

Durch freie Zugänglichkeit, durch gegenseitige Wertschätzung aller Beteiligter und durch den Versuch, selbstbestimmte Gestaltung zu ermöglichen, wollen die offenen Werkstätten zudem ein Ort für Austausch und Zusammenarbeit sein, in dem nicht nur zahlreiche Objekte, sondern auch Gemeinschaft, Vertrauen und Selbstbewusstsein entstehen. Vorurteile sollen abgebaut und die eigenen Annahmen und Intentionen im konstruktiven Sinne hinterfragt werden. Und drittens soll dieser Raum eine gesellschaftspolitische Bedeutung entwickeln, indem ein (öffentliches) Bewusstsein geschaffen und verstärkt wird – gegen die desolate Situation an Europas Außengrenzen und gegen eine Kriminalisierung und Prekarisierung von Menschen auf der Flucht. Mit regelmäßiger Berichterstattung und Kampagnenarbeit werden Kontrapunkte gegen rechtspopulistische Narrative gesetzt.


Abb. 2: Blogbeitrag mit einem Bericht über die drohenden Obdachlosigkeit für viele Asylsuchende in Griechenland. Foto Mimi Hapig, entnommen: Soup and Socks e.V., Blogeintrag, URL: https://soupandsocks.eu/2020/06/10/from-camps-to-homelessness-new-regulation-in-greek-asylum-regulations/


Zentrale Arbeitsweisen – exemplarische Beispiele

Zugänglichkeiten als Gegenmodell zu der gezwungenen Untätigkeit und dem Warten in Ungewissheit

Als offene Werkstatt versucht Habibi.Works einen Rahmen zu schaffen, in dem die Menschen Selbstbestimmung, sowie Zugang zu (informeller) Bildung und zu gesellschaftlicher Teilhabe selbst generieren können. Den Menschen, die sich in einer politisch bedingten Situation des Wartens mit sehr wenig Informationen über die eigene Zukunft befinden, soll ermöglicht werden, eine Perspektive der Selbstwirksamkeit in ihrem täglichen Leben zu schaffen. Dieser Ansatz soll spürbare Auswirkung haben – auf die aktuelle Lebenssituation der Menschen (z.B. Vorhänge, die Privatsphäre in den Containern schaffen, sodass Frauen ihr Kopftuch abnehmen oder sich in Ruhe umziehen können), auf die Motivation, die eigene Bildung fortzusetzen oder zu nutzen (z.B. Expert*innen, die ihre Fähigkeiten weitergeben, Student*innen, die ihre Ausbildung online fortsetzen, Jugendliche, die nie Zugang zur Schule hatten, werden ermutigt, sich Fähigkeiten anzueignen) und auf die Zuversicht, ein unabhängiges Leben innerhalb der europäischen Gesellschaften aufzubauen.

Offene Formen der Zusammenarbeit

In dem Versuch, diese aktive, selbstbestimmte Perspektive aller Beteiligten zu fördern, erkundet Habibi.Works nicht-kompetitive, selbst-ermächtigende Wege der Zusammenarbeit. Alle Menschen werden eingeladen, ihre eigenen Ideen einzubringen, sich an der Entscheidungsfindung zu beteiligen, Verantwortung zu übernehmen und Eigenverantwortung zu generieren, zum Beispiel indem sie eine angeleitete Aktivität in einem der Habibi.Works-Workshops anbieten, sich an größeren Projekten beteiligen oder in den monatlichen Community-Treffen Feedback und Ratschläge geben.

Erzeugen von Bewusstsein und Dekonstruktion diskriminierender Begrifflichkeiten

Die Situation an den europäischen Grenzen ist geprägt von Ungleichheiten und Unsicherheiten für in Europa nach ihrer Flucht neu ankommende Menschen. Habibi.Works und dessen Trägerverein informieren regelmäßig europaweit über diese Zustände und setzen rechten Narrativen auf kreative, engagierte und zugleich deutlich kritisierende Weise etwas entgegen. Die Kanäle reichen von monatlichen Newslettern über Social-Media-Kampagnen bis hin zu Reden im Europäischen Parlament und auf Demonstrationen, der Teilnahme am akademischen Diskurs und öffentlichen Vorträgen in verschiedenen europäischen Ländern.


Abb. 3: Die Menschen demonstrieren gegen ihre Unterbringung unter widrigsten Bedingungen in einem sogenannten Camp in Katsikas (Griechenland) und Solidaritätskundgebung in München. Abbildung oben Soup and Socks e. V., E-Mail-Newsletter: Viel Licht und Regen über Katsikas, Nr. 15 (11.09.2016); Foto unten Michael Wittmann.


Inhaltliches Motiv ist unter anderem die Entlarvung des Begriffs „Flüchtlingskrise“ als verkürzte und rassistische Zuschreibung der Verantwortung für einen Zustand auf die am stärksten davon betroffenen Menschen. Die Ursachen liegen tiefer: Die Symptome an den europäischen Grenzen werden nicht allein durch Menschen verursacht, die aus ihren Ländern fliehen müssen. Sie sind die Folgen globaler Verflechtungen und Konflikte, die zu Ausbeutung, Krieg, Verfolgung und Armut führen. Diese Konflikte sind zumindest teilweise die Folge von kolonialem Erbe, von Rassismus und von Ausbeutung von menschlichen und natürlichen Ressourcen. Die offensichtlichsten Symptome dieser humanitären und politischen Krise – krisenhafte Zustände in den Flüchtlingslagern und punktuelle Ereignisse wie die Katastrophe auf Lesbos – sind auf einen politischen Unwillen zurückzuführen, menschenwürdige und nachhaltige Lösungen zu finden.


Raum zu Verfügung zu stellen

Habibi.Works will Raum zur Verfügung stellen – zur Umdeutung bestehender Ungleichheiten, zur Reflexion sowie zur offenen Nutzung und daraus resultierender Bedeutungsperspektiven. Gemeint sind damit sowohl die konkreten Räumlichkeiten, sprich physischen Räume als auch inhaltliche und symbolische Dimensionen der Räumlichkeiten von Habibi.Works.

Das Teilprojekt Habibi Dome, entstanden 2016/17, kann hierfür als Beispiel gesehen werden. Es ist kollektives Bauprojekt und Plattform zugleich: Im Bauprozess wurde die mittlerweile im Internet frei zugängliche Geodesic-Dome-Konstruktion nach Richard Buckminster Fuller als bestehendes Wissen verwendet, um sie adaptieren, weiterentwickeln und weitergeben zu können. Die Kuppelkonstruktion und die Entscheidung, diese als selbstbestimmten Raum zu bauen, war ein Vorhaben, das alle am Projekt Beteiligten zusammen trafen. Wichtiges Grundprinzip war, auf möglichst allen Ebenen offene und zugängliche Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse ablaufen zu lassen und sich dabei gleichwohl bewusst zu sein, dass eine absolute Hierarchielosigkeit nicht möglich ist. Ein Modell im Maßstab 1:10 als essentielle Stütze bei der Verständigung ohne eine gemeinsame Sprache machte Planung und gestalterische Entscheidungen für alle Beteiligten zugänglich. Darüber hinaus wurde der ursprünglich angedachte Plan einer Überdachung aus Zeltstoff hin zu einer Abdeckung mit Holz und damit zu einem festen Raum abgeändert, da dies für viele Beteiligte ein Statement gegen die Unterbringung in Camps war.


Abb. 4: Bau der Kuppelkonstruktion

Foto: Lucas Bertoldo


Mittlerweile entstand neben dem in Griechenland gebauten, nach wie vor genutzten Raum eine mobile Version, die an verschiedenen Orten europaweit auftauchte. Derzeit ist sie in Stuttgart zusammen mit der Hans Sauer Stiftung und weiteren lokalen Projektbeteiligten. Als offene Plattform will der mobile Raum gesellschaftliche Fragen aufwerfen und einen Austausch darüber und untereinander ermöglichen: Das Projekt stellt Fragen, wie wir in unserer Gesellschaft zusammenleben wollen – ohne Vorurteile über vermeintliche Grenzen hinweg, und wie echte Solidarität aussehen kann und muss.


Langzeit-Perspektive

Durch den temporären Einsatz einer mobilen Küche stand zunächst ein Lindern der katastrophalen humanitären Situation Ende 2015 an Europas Außengrenzen und auf der sogenannten Balkan-Route im Vordergrund. Während der darauffolgenden Reflexion wurde klar, dass ein langfristig verfolgtes Vorhaben unbedingte Voraussetzung ist, um eine nachhaltige Perspektive entwickeln zu können und um in die Situation vor Ort involviert sein zu können. Daraus entstand der Werkstattgedanke mit dem Fokus, sich zu solidarisieren und auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.


Gegenseitiges Lernen

Selbstverständnis der offenen Werkstatt ist es, Lern- und Austauschprozesse nie in ausschließlich eine Richtung, sondern immer gegenseitig in beide Richtungen und auf Augenhöhe zu verstehen. Selbst wenn eine Person in einem Bereich Expertise besitzt und einen Workshop anleitet, lernen immer alle beteiligten Personen auf vielschichtigen Ebenen voneinander. Um gegenseitiges und selbstbestimmtes Lernen zu ermöglichen, werden die Menschen vor Ort, die nach ihrer Flucht nun in Europa angekommen sind, von Beginn an eingebunden, zu entscheiden, welche Werkstattbereiche eingerichtet werden und eingebunden, dort auch Workshops durchzuführen.


Offenheit und eigene Annahmen hinterfragen

Um ausschließlich bevormundende Strukturen zu vermeiden, werden im Denken und Arbeiten von Habibi.Works all diese konkreten Zielsetzungen zur Diskussion gestellt – hinsichtlich möglicher unerwünschten Auswirkungen sowie paternalistischer Zusammenhänge. Habibi.Works will offen bleiben für die Ideen wirklich aller Menschen, welche die Räumlichkeiten betreten und sich daran beteiligen. Die eigenen Annahmen und Vorstellungen sollen stets spielerisch und dadurch konstruktiv hinterfragt werden. Dieser Ansatz beruht auch auf dem Bewusstsein, dass jede Zielsetzung und Gestaltung stets mit einer eigenen Machtposition verbunden ist.



Das Wagnis eines vielschichtigen und kritischen Ortes – einer Heterotopie

Das Werkstattprojekt Habibi.Works versteht sich als konkreten Ort, als Raum, welcher kritisch über die Zustände an Europas Außengrenze berichtet und die Einhaltung von Menschenrechten einfordert. Darüber hinaus wird an diesem Ort der utopische – oder besser heterotopische – Versuch gewagt, Formen von Solidarität als Gegen-Narrative sowohl im Mikrokontext als auch auf struktureller Ebene zu entwickeln und Ungleichheiten zumindest im kleinen Kontext zu verschieben, auszusetzen oder umzudeuten.

Und insofern begreift sich Habibi.Works als Heterotopie, da es einen Raum mit gesellschaftlicher Relevanz und Bedeutungsperspektive zu verbindet. Das Projekt will dem Zustand des Wartens in Ungewissheit, in dem die Menschen nach ihrer Flucht gebracht werden, heterochronistisch gegenüberstehen.

Es vereint scheinbar Widersprüchliches und sich diametral Gegenüberstehendes: Das Projekt Habibi.Works will ein Raum sein, der das Postulat erhebt und auch umsetzt, dass alle, ausnahmslos alle Menschen gleichberechtigt sind, dass gleiche (Persönlichkeits-)Rechte und Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe für ausnahmslos alle gelten muss – in einem Kontext, in dem die Frage nach einem europäischen Pass – oder eben nicht – einen alles entscheidenden Unterschied macht. Es ist ein Ort, der sich gegen diese Ungleichheiten sperrt und gleichzeitig versucht Menschen zusammenzubringen.

Diesen Vorhaben wagt in einem physisch begrenzten Raum grenzenlos zu denken und zu handeln: Es will grenzenloser Raum sein, in dem der Versuch gewagt wird, vermeintliche Zugehörigkeiten zu Nationalitäten, Religionen, Ethnien oder Geschlechtern und daraus resultierende Grenzziehungen zu überwinden. Habibi.Works ist konkreter Raum, welcher in Katsikas als offene Werkstatt fungiert, und zugleich offener Raum für Konzepte, die physische und normative Grenzen sprengen – und ist gleichzeitig kollektives Handeln als auch gesellschaftspolitisches Postulat. Dort, wo sich Grenzen physisch manifestieren, dort, wo Grenzen die Leben von Menschen riskieren oder blockieren und Menschen in Jahre des untätigen, als fremdbestimmt wahrgenommenen Wartens zwingen, versucht Habibi.Works einen Raum zu eröffnen, in dem sich Menschen Zugang zu Selbstbestimmung und Gestaltungsfreiheit schaffen können und Entscheidungen hinsichtlich ihres Lebens selbst treffen können.



Reflexionen

Wesentlicher Bestandteil der Arbeit der offenen Werkstatt Habibi.Works ist ein fortlaufendes kritisches Hinterfragen der eigenen Praxis, um konstruktive Impulse für das eigene weitere Vorgehen daraus zu folgern. Die einzelnen Aspekte der Reflexion generieren sich aus den beiden zentralen Fragestellungen: Inwiefern ist eine kritische Abgrenzung gegenüber einer Kunst möglich, welche die Welt retten will und „dann […] lediglich den zeitgenössischen Krisen und Prekariaten mit zeitgemäßen ästhetischen Formen und Materialien begegnet, also eher affirmativ als sich kritisch positioniert?“ Und inwiefern können strukturelle Ungleichheiten zwischen Initiator*innen gegenüber Beteiligten in einer kollektiven Praxis reflektiert werden?


Solidarität und Machtdynamiken

In einem Kontext, in dem grundlegende Menschenrechte nicht gewährt werden und Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe von Faktoren wie Nationalität abhängen, erzeugt die Initiierung eines offenen Workshops Machtdynamiken zwischen Initiatoren und Teilnehmenden, zwischen Personen mit oder ohne EU-Pass und zwischen konkurrierenden Initiativen und Disziplinen. Unabhängig von auch noch so guten Intentionen ist eine Unterstützung, welche Strukturen zur Partizipation und Beteiligung aufbauen will, immer auch von unvermeidbaren Hierarchien und Machtgefällen bestimmt. Ein Projekt kann leicht Gefahr laufen, Vorurteile, Ungleichheiten und Machtstrukturen zu verstärken, wenn ein kritisches Bewusstsein dafür fehlt. Im Wissen um diese Umstände will Habibi.Works durch Reflexionen über Hierarchien in der Entscheidungsfindung und über verwendete Sprache im Projekt bevormundenden Strukturen entgegenwirken: Das Team der offenen Werkstatt ist bestrebt, Machtdynamiken sichtbar zu machen und wo immer möglich zu dekonstruieren, zum Beispiel durch transparente Gesprächsstrukturen, die Feedback stärken und durch Anpassungsfähigkeit, die dennoch keine Tyrannei der Strukturlosigkeit provoziert.


Beteiligung und Selbst-Ermächtigung

Die bloße Tatsache, dass ein Projekt auf Partizipation abzielt, ist kein Garant dafür, dass für Beteiligte die Möglichkeit besteht, Formen von Mitbestimmung oder Selbstermächtigung generieren zu können. Mitmachen bedeutetet nicht notwendigerweise Mitbestimmung, wenn Strukturen dafür fehlen. So versucht Habibi.Works eine ausschließlich „symbolische Partizipation“ zu vermeiden, in der Beteiligte nur aus einer Projektlogik heraus oder für eine positive Außenwirkung eines Projekts involviert werde würden.


Involviertheit und kompensatorische Effekte

In das eben skizzierte Spannungsfeld fällt der Mechanismus, unterdrückende und diskriminierende Zusammenhänge, die eigentlich kritisiert werden sollten, als gegeben und unveränderbar zu sehen und diese somit indirekt zu verstärken: Habibi.Works wurde als politisches Statement gegen die aktuelle EU-Asylpolitik und als soziale Initiative zur Unterstützung der davon betroffenen Menschen ins Leben gerufen. Die praktische, tägliche Unterstützung ist gewissermaßen auch eine Kompensation für ein strukturelles Versagen auf gesamteuropäischer Ebene. Solche Effekte entlasten Behörden und Entscheidungsträger und können im schlimmsten Fall Anreize für diese schaffen, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Werkstattprojekte, oder allgemeiner gesellschaftliche Initiativen verbunden mit Kunstprojekten oder Projekten aus dem Social Design können also in die Rolle fallen, Aufgaben und Verantwortung der sich zurückziehenden Politik und staatlichen Institutionen zu kompensieren. Das Team von Habibi.Works ist sich dieses Risikos bewusst. Darum ist Intention, ein Bewusstsein für die Situation an den europäischen Grenzen zu schaffen und eine kritische Stimme innerhalb der europäischen Gesellschaft zu sein.


(Kritische) Benennung und Stigmatisierungen

Partizipative, kollektive Projekte arbeiten meist mit einer Personengruppe – oft „Community“ genannt – in einer ganz bestimmten Situation, an einem ausgewählten Ort und zu einem bestimmten Thema. „Wer sich unreflektiert auf bestimmte Menschen als Community bezieht – eine Vokabel, die mittlerweile auch ins Deutsche übernommen wurde – der läuft zudem Gefahr, sie überhaupt erst als Gruppe mit bestimmten Charakteristiken hervorzubringen.“ Selbst wenn die Interessen dieser Gruppe, auch selbstbestimmt durch die Gruppe, vertreten werden, kann durch das Festlegen als Gruppe eine Stigmatisierung ungewollt verstärkt werden. Deswegen versucht die offene Werkstatt Habibibi.Works Konstruktionen von 'Wir' und 'Die Anderen' aufzulösen und versteht als Solidarität sich „über das Unrecht, das anderen zustößt, genauso zu empören, als würde es uns selbst betreffen.“


Repräsentation und eigene Situiertheit

Habibi.Works wurde initiiert von Menschen mit vielen Privilegien und Sicherheiten aufgrund ihres Geburtslandes und aufgrund ihrer erhaltenen Bildung – mit der Zielsetzung zusammen mit Menschen, für die diese Privilegien leider nicht gelten, an deren Situation mit Ihnen gemeinsam auf alltäglicher wie auf struktureller Ebene etwas zu ändern. Natürlich muss dabei auch die eigene Situiertheit selbstkritisch thematisiert und hinterfragt werden: Wer spricht für wen? Wer kann für sich selbst sprechen? Findet auch migrantisch situiertes Wissen Niederschlag, was sich in wichtigen Prinzipien, wie gegenseitigem Lernen und Solidarität auf Augenhöhe in der Arbeit der offenen Werkstatt zeigen soll?

Um einen zu einseitigen, bevormundenden Wissenstransfer entgegenzuwirken, ist es Selbstverständnis, nicht nur projekt- oder disziplinimmanenten Logiken zu folgen, sondern möglichst nah an den Interessen der Menschen, die Habibi.Works vor Ort nutzen, zu sein. Habibi.Works versucht von den Erzählungen und Stimmen der Menschen vor Ort getragen zu sein. Auch der eigene Name „Habibi.Works“ (habibi, aus dem Arabisch für Freund) entstand mit den Menschen, die die Werkstätten nutzen. Gleichzeitig muss die Verwendung dieses Namens auch kulturelle Aneignungen reflektieren und sich davon distanzieren.




Fazit

Habibi.Works will sich vor Ort in eine konkrete Situation involvieren und gleichzeitig gesellschaftspolitische und strukturelle Zusammenhänge thematisieren und sich dazu kritisch in Bezug setzen. Die offene Werkstatt betrachtet ein Bewusstsein über existierende, diskriminierende Strukturen und Hierarchien (und nicht eine naive Vorstellung nicht existierender Hierarchien) als Voraussetzung, um Ungleichheiten kritisch zu reflektieren und um ihnen auf diese Weise entgegenwirken zu können.

Unterstützung bedeutet in diesem Zusammenhang einen Raum zu eröffnen, in dem alle Menschen mit einer persönlichen Geschichte und eigenem Wissen als Expert*innen ihres eigenen Lebens anerkannt werden, sowie auch strukturell einzufordern, dass wirklich ausnahmslos alle Menschen Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und Persönlichkeitsrechten haben. Insofern versucht Habibi.Works, mit kritischen anstatt affirmativen Formen und Strategien zu arbeiten um Ungleichheiten und deren Ursachen nicht weitet zu perpetuieren.





Abbildungsnachweise:

Alle Abbildungen sind im Rahmen von Habibi.Works entstanden und wurden von den Fotograf*innen für die Verwendung durch Habibi.Works zur Verfügung gestellt.


[1]Habibi.Works, URL: https://habibi.works/ (20.06.21).

[2]Michel Foucault: Andere Räume (1967), in: Barck, Karlheinz u. a. (Hrsg.), Aisthesis. Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik, Leipzig, 1992, S. 39.

[3]Ebd., S. 39.

[4]T. J. Demos bezieht das auf eine unkritische Verortung, die Beteiligte als determiniert sieht (T. J. Demos: Climates of Displacement. From the Maldives to the Arctic, in:

Dogramaci, Burcu; Meersmann, Birgit (Hrsg.): Handbook of Art and Global Migration. Theories, Practices, and Challenges, Berlin, Boston 2019, S. 198ff).

[5]Mark Terkessidis spricht von Stigmatisierungen der Zielgruppen durch (zu) eindeutige Benennungen (Mark Terkessidis: Kollaboration, Berlin 2015, S. 190).

[6]Nina Bandi: Devenir tout le monde. Über Partizipation, Teilhabe und Abhängigkeiten in der Kunst, in: What can art do?, Hochschule Luzern – Design & Kunst

,Forschungsgruppe Kunst, Design & Öffentlichkeit, URL: https://www.what-can-art-do.ch/user_assets/artikel/WhatCanArtDo_Bandi_Devenir-tout-le-monde.pdf

(20.06.21).

[7]vgl. Jens Kastner: Über strukturelle Grenzen (hinweg), Was Kunstproduktion und soziale Bewegungen trennt und verbindet, in: Alexander Fleischmann, Doris Guth

(Hrsg.): Kunst. Theorie. Aktivismus. Emanzipatorische Perspektiven auf Ungleichheit und Diskriminierung, Wien, Bielefeld 2015, S. 23–58, S. 34ff

[8]Kerstin Pinther: Konzepte und Ästhetiken der Passage, Konzepte und Ästhetiken der Passage. Design im Kontext von Flucht und Migration, in: Burcu Dogramaci,

Elizabeth Otto (Hrsg.): Passagen des Exils. Passages of exile, Exilforschung, Band 35, edition text + kritik, 2015, S. 315–333, URL:

https://www.academia.edu/36710928/Konzepte_und_Ästhetiken_der_Passage_Design_im_Kontext_von_Flucht_und_Migration, S. 332.

[9]Elisa Liepsch und Julian Warner verwenden den Begriff der „Allianzen“ um sich (rassismus-)kritisch gegen diskriminierende, ausschließende institutionelle

Zusammenhänge zu positionieren und auch über die „eigene (auch institutionelle Praxis) zu reflektieren“. (Elisa Liepsch, Julian Warner, Matthias Pees (Hrsg.):

Allianzen. Kritische Praxis an weißen Institutionen, Bielefeld 2018, S. 30)

[10]Soup and Socks, Vision and Mission, URL: https://soupandsocks.eu/de/vision-und-mission/ (20.06.21).

[11] Sick of Waiting: Reconnecting with Humanity, conference hall in the European Parliament, June 28th, online documentation, URL: https://sickofwaiting.org/acerca.asp?

i=2&v=7 (30.07.2021).

[12]Um diese Zusammenhänge analysieren zu können, verwenden Markus Brand und Ulrich Wissen den Begriff der imperialen Lebensweise (Markus Brand, Ulrich Wissen:

Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus, München 2017, S. 43ff)

[13]Habibi Dome, URL: https://www.habibidome.org/ (20.06.2021).

[14]In Stuttgart wird Habibi Dome mit den Projekten werkraum und homenotshelter der Hans Sauer Stiftung, Morethanshelters-socialdesign und dem

Jugendmigrationsdienst der AWO Stuttgart sowie weiteren lokalen und städtischen Akteur*innen realisiert. 2020 war Pilotphase für ein seit diesem Sommer

stattfindendem Projekt in Stuttgart-Hallschlag; URL: https://www.habibidome.org/stuttgart-hallschlag (23.08.21); https://homenotshelter.com/portfolio/habibi-dome

(23.08.21)

[15]Vgl. dazu: In ihrem Vortrag fokussiert Bianca Elzenbaumer eine Langzeitperspektive als Grundlage und Voraussetzung für den „40-Jahres-Forschungsplan, [welcher]

sich auf die Unterstützung und Schaffung von Gemeinschaftsökonomien und Commons konzentriert [...]“ (Bianca Elzenbaumer: Designing with care in an

interpedendent world. Community economies and situatedness, Vortrag auf der online stattfindende Konferenz Care Beyond Crises des Masterstudiengangs Eco-social

Design, Fakultät für Design und Kunst, Freie Universität Bozen (17. –19. Dezember 2020), URL: https://designdisaster.unibz.it/2020/bianca-elzenbaumer/ (20.06.21).

[16]– Für Marcel Bleuler „[...] erscheint die Absicht, mit Kunst auf ein klar umrissenes Ziel hinzuarbeiten [...] auch als eine Machtpraxis.“ (Marcel Bleuler: Was macht Kunst in

der Konfliktzone? Empirische Beobachtungen zu einer 'dialogischen Ästhetik', in Marcel Bleuler, Anita Moser (Hrsg.): Ent/Grenzen. Künstlerische und

kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Grenzräume, Migration und Ungleichheit, Bielefeld 2018, S. 58)

– Jesko Fezer thematisiert (mögliche) paternalistische Aspekte und Machtgefüge in Gestaltungsprozessen und wie eine Gestaltungspraxis diese reflektieren und

ebenjenen Aspekten kritisch begegnen kann (Jesko Fezer interviewt von Claudia Banz: Experimentelles Design. Für einen engagierten Designbegriff, in: Claudia Banz

(Hrsg.): Social Design. Gestalten für die Transformation der Gesellschaft, Bielefeld 2016, S. 71–83.

[17]– In Umdeutung Foucaults ersten Grundsatz von Heterotopien, dass jede Gesellschaft Heterotopien hervorbringe, wird hier von einer gesellschaftlichen Relevanz von

Heterotopien ausgegangen (Foucault 1967, S. 40f)

[18]– Michel Foucault beschriebt die „Heterochronie“ als vierten Grundsatz der Heterotopien (Foucault 1967, S. 43f).

[19]– Michel Foucault definiert der dritten Grundsatz wie folgt: „Die Heterotopie vermag an einen einzigen Ort mehrere Räume, mehrere Platzierungen zusammenzulegen,

die an sich unvereinbar sind.“ (Foucault 1967, S. 42f)

[20]Pinther 2015, S. 332.

[21]Nina Bandi: Devenir tout le monde. Über Partizipation, Teilhabe und Abhängigkeiten in der Kunst.

[22] Sherry R. Arnstein: A ladder of citizen participation, Journal of the American Institute of Planners, 35(4) 1996, S. 216–224, URL:

https://www.historyofsocialwork.org/1969_ENG_Ladderofparticipation/1969 (20.06.2021).

[23]Jo Freeman: The tyranny of structurelessness, in. Berkeley Journal of Sociology, Vol. 17, S. 151–165; URL: https://www.jofreeman.com/joreen/tyranny.htm (20.06.21).

[24]– Sandra Buchmüller untersucht die Reproduktion von festgeschrieben, gesellschaftlichen (Geschlechter-)Rollen anhand eines partizipativen Designprozesses (Sandra

Buchmüller: Partizipation=Gleichberechtigung? Eine Betrachtung partizipativen Gestaltens im Kontext feministischer Designforschung und -praxis, in: Claudia Mareis, Matthias Held, Gesche Joost (Hrsg.), Wer gestaltet die Gestaltung? Praxis, Theorie und Geschichte des partizipatorischen Design, Bielefeld 2013, S. 119–139, S. 138f)

[25]– Der Begriff der „symbolischen Partizipation“ wurde hier entlehnt von Grant Kester: The One and the Many

[26]– T. J. Demos bezieht das auf eine unkritische Verortung, die Beteiligte als determiniert sieht (Demos 2019, S. 198ff).

[27]– Claudia Banz zieht für Social Design eine Analogie zu Jacques Rancières Analyse für die Bereiche der politisch engagierten Kunst. (Claudia Banz: Zwischen Widerstand und Affirmation. Zur wachsenden Verzahnung von Design und Politik, in: Claudia Banz (Hrsg.): Social Design. Gestalten für die Transformation der Gesellschaft, Bielefeld 2016, S. 15f). Nach Rancière verleiht „die Schrumpfung des öffentlichen Raums und die Auslöschung des politischen Erfindungsreichtums zur

Zeit des Konsensus den Mini-Demonsrationen der Künstler*innen, [...]die Funktion einer Ersatzpolitik.“ (Jacques Rancières: Das Unbehagen der Ästhetik, Wien 2007, S.

73, zitiert nach Banz 2016)

[28]Mark Terkessidis: Kollaboration, Berlin 2015, S. 190.

[29] Mimi Hapig: Ein kritischer Blick auf unsere Arbeit, URL: https://soupandsocks.eu/de/2016/05/29/ein-kritischer-blick- auf-unsere-arbeit (20.06.21).

[30]– Anita Moser beleuchtet das Spannungsfeld, ein Hinterfragen von „Ungleichheiten in Bezug auf Repräsentation“ in Wissenschaft und gestalterischen Projekten auch

dessen Reproduktion bedeutet (Anita Moser: Verhandlung von Zugehörigkeitsordnungen in Fluchtkontexten. Wir/Andere-(De-)Konstruktionen im Umfeld der

Schutzbefohlenen, in: Marcel Bleuler, Anita Moser (Hrsg.): Ent/Grenzen. Künstlerische und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Grenzräume, Migration und

Ungleichheit, Bielefeld 2018, S. 80

[31]– Margarita Tsomou hinterfragt strukturelle Ungleichheiten zwischen Initiator*innen gegenüber Beteiligten (Margarita Tsomou: Jenseits des Willkommens. Sounds und

Moves eines hartknäckigen Ringens, in: Liepsch 2018, S. 194ff).


[32]Der Begriff „migrantisch situiertes Wissen“ wird unter anderem in der Aufarbeitung der Morde des NSU verwendet und ist im Zusammenhang des Tribunals „NSU-

Komplex auflösen“ als gesellschaftspolitische Forderung entstanden (NSU-Tribunal, URL: https://www.nsu-tribunal.de/8-mai-migrantifa-heisst-kaempfe-

zusammenfuehren/ (15.05.2021) sowie: Ayşe Güleç, Johanna Schaffer: Empathie, Ignoranz und migrantisch situiertes Wissen. Gemeinsam an der Auflösung des NSU-

Komplexes arbeiten, in: Juliane Karakayali, Cargi Kahveci, Doris Liebscher, Carl Melchers (Hrsg.): Den NSU Komplex analysieren. Aktuelle Perpektiven aus der Wissenschaft, Bielefeld 2017, S.57–79, URL:


https://www.academia.edu/36079617/Empathie_Ignoranz_und_migrantisch_situiertes_Wissen_Gemeinsam_an_der_Aufl%C3%B6sung_des_NSU_Komplexes_arbeiten?

auto=download (20.06.21).

[33]– Hanan Toukan beschreibt auch politische Intentionen von Kulturförderung (Hanan Toukan, On Being ‘The Other’ In Post-Civil War Lebaonon. Aid and the Politics of Art

in Processes of Contemporary Cultural Production, URL: ibraaz.org/essays/63, (20.06.21), S. 10). – Nanna Heidenreich benennt ein Anliegen, das über die eigenen

Disziplin und dessen Logik in gesellschaftliche Bereiche hineinwirkt, beziehungsweise sich vielmehr darin begründet (Nanna Heidenreich: Die Perspektive der Migration,

in: Alexander Fleischmann, Doris Guth (Hrsg.): Kunst. Theorie. Aktivismus. Emanzipatorische Perspektiven auf Ungleichheit und Diskriminierung, Wien, Bielefeld 2015,

S. 113–145, S. 129f).

[34]Pinther 2015, S. 332.



Im Beitrag stellt sich das praktische Projekt Habibi.Works vor und reflektiert die eigenen Strategien und Strukturen auf theoretischer Ebene. Das Projekt selbst begreift sich als Heterotopie und als border[less]: Ein grenzenloser Raum, welcher den Versuch wagt, vermeintliche Zugehörigkeiten zu Nationalitäten, Religionen, Ethnien oder Geschlechtern und daraus resultierende Grenzziehungen zu überwinden. Verfasst von Mimi Hapig, Franziska Wirtensohn und Michael Wittmann.